Sonntag, 13. Mai 2018

Compost

 
Diesmal haben wir für unsere Belebungstage auch kulinarisch ein wenig vorgesorgt. Eigentlich wäre das Arbeit für den Herbst gewesen, wo das letzte Gemüse reif wird und für den Winter eingelegt werden muss um es länger haltbar zu machen. Da wir aber unsere Speisenplanung meist sehr kurzfristig ausarbeiten – und natürlich bei der Rohstoffbeschaffung auch alle Annehmlichkeiten der Moderne nutzen können – haben wir uns kurzfristig dazu entschlossen, dieses historische Rezept auszuprobieren.
In „Curye on Inglysch“, einer Zusammenstellung von fünf handschriftlichen Rezeptsammlungen des 14. und 15. Jahrhunderts, findet sich das Rezept für „Compost“ – oder einfacher gesagt: sauer eingelegtes Gemüse.

Montag, 9. April 2018

Legt sie in Ketten

Licht! Licht ist das Einzige das dich im finstren Mittelalter davon abhält beim nächtlichen Abendessen die Krenwurz mit einer Ackerrübe zu verwechseln und eine tränenreiche Überraschung zu erleben. Licht ist das, was dir nach dem leeren diverser Zinnkannen beisteht, wenn es darum geht einen hartnäckigen Knoten in den Hosennesteln aufzukriegen während die Liebste wolllüstig auf die heilige Lanze .... lassen wir das ... zurück zum Wesentlichen:

HOW TO: Bau eines Glaslampenhalters mit historischem Werkzeug und Materialien
HOW TO: Making a glass lamp holder
with period tools and material


Wie jeder gute Geschichtsverehrer ging ich zuerst an die Recherche und fand schnell heraus was ich wollte: eine Jungfrau die in hauchdünnem Leinenkleid mein Lämpchen fest in ihren zarten Händen hält. Allein wegen der anstrengenden Haltetätigkeit hatte ich schon Kontakt mit einer 19-jährigen schwedischen Sportstudentin aufgenommen .. da sagte meine Frau: "Nein!"
Mit unschuldigen Welpenblick entgegnete ich "Aber, Schatz, die Belege ...". Aber meine Frau sagte nur: "Ja, klar. Belege. Und dann schicken sie uns einen Trampel der die Lampe SO rum hält!"
Einer solch fachkundigen Frau kann man einfach nicht widerstehen .. die Suche ging also weiter ...


4 "törichte Jungfrauen" von der "Oberen Pfarre" i nBamberg, 14.Jahrhundert.
4 "follish virgins" from Bamberg, 14th. century

In the beginning I started as usual with some research. And I found an answer very fast: We need a virgin! And since it must be really exausting to stand a whole day beside me in thin linnen underwear, sweating sweetly like a blossom in the spring while holding a burning lamp I immediately contacted the Swedish Bikini Team for a 19 years old graduate. Strangley my wife said "No!". And she argumented quite well: "We could get some stupid girl holding the lamp like THAT!" ... so I started again ..

Hängelampen waren im 14.Jahrhundert schon ein häufig anzutreffendes Phänomen. Davon zeugen diverse Abbildungen, hier nur ein paar Beispiele:

Beispiele für Hängelampen (Giotto, um 1300; Add MS 47682, um 1330 und Cod. Memb. I 120, um 1340)
Some examples of hangling lamps (Giotto, ca. 1300; Add MS 47682, ca. 1330 und Cod. Memb. I 120, ca. 1340)

Hanging lamps were quite common in the 14th century and are often shown in period art work.

Donnerstag, 5. April 2018

„From nose to tail“ - Schafskopf nach dem Innsbrucker Kochbuch

Die Verwertung aller Teile eines Schlachttiers war - grob gesagt - in der ganzen Menschheitsgeschichte die Norm. Fleisch, Innereien, Fett, Sehnen, Knochen, Haut, Fell – für alles gab (und gibt) es einen Verwendungszweck. Heutzutage eher „unübliche“ Teile des Tieres wurden selbstverständlich verzehrt.
Gut zu sehen, und auch passend zum folgenden Rezept, im Tacuinum Sanitatis fol. 77r.:


An english summary can be found at the end of the article

Mittwoch, 17. Januar 2018

Wienerwaldläufer

Wusstet ihr dass die Wiener Wehrbürger des 14.Jahrhunderts die einzig legitimen Rechtsnachfolger der Waldläufer von Ithilien waren? Nein? Na dann wird's langsam Zeit!

English descriptions can be found below, in a different colour.


Direkt aus der Stadt, malerisch gelegen an den Ausläufern der Emyn Muil (heute, auf Grund der großen Taten der Wiener lapidar "Wienerwald" genannt) nahmen sie versteckte Guerillavorstöße in die Totensümpfe und an die Hänge des Leithagebirges ... Entschuldigung, Ephel Duath vor!

Und dafür brauchten sie natürlich entsprechenden Ausrüstung! Tarnen und täuschen war um 1340 total angesagt!

Montag, 27. November 2017

Mal wieder das Heft in die Hand nehmen ...

Die letzten Wochen (oder Monate) habe ich mit allem Möglichen verbracht .. nur nicht mit Bloggen. Daher eine Entschuldigung an meine Leser und endlich mal wieder ein neuer Beitrag bevor man mich totschreibt und es zu einem Massenansturm bei einer auf Twitter angekündigten Fake-Beerdigung auf dem Wiener Zentralfriedhof kommt:

HOW TO: Wie mache ich ein Schwertheft mit historischem Werkzeug und Materialien
HOW TO: Making a sword grip with period tools and material


Und da die Internationalisierung der "Szene" weiter stark im Kommen ist möchte ich auch etwas Neues ausprobieren: Die Texte in diesem Artikel werden daher wie üblich von Bildern begleitet aber diesmal wird der Text VOR dem Bild in Deutsch (und dunkler) gehalten sein während der Text NACH dem Bild meine Englischsprachigen Lesern gewidmet ist und eher Hellbraun ausfällt.


I'd like to try a new layout for our english-speaking visitors and will put the explanation texts directly under a picture in English (and in a lighter colour).

Donnerstag, 16. November 2017

Woher weiß man was die damals gegessen haben?



Das werden wir immer wieder gefragt! Und erfreulicherweise nimmt das allgemeine Wissen darüber zu, dass zum Beispiel die vielerorts angebotenen „Ritterpommes“ wohl kaum auf den Tisch kamen. Wie wissen wir aber tatsächlich, was in den Topf und auf den Tisch kam?

Dazu ist schon genauere und vor allem umfassende Recherche notwendig.

Der einfache erste Schritt ist wohl das Wälzen der vielen modernen "Rezeptsammlungen". Wenn man sich aber an die vielen verfügbaren Kochbücher über mittelalterliche Küche auf dem Markt hält, gilt es allerdings sehr gut aufzupassen, woher die darin enthaltenen Rezepte stammen.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Kruzifix! Ein Fleck!


Wie die spätgotische Hausfrau (oder der Hausmann mit Flecken im teuren Rock) von heute weiß, sind Flecken von Wein, Zwiebeln oder anderen säurehaltigen Lebensmitteln auf pflanzengefärbten Stoffen ein großes Übel: Die Farbe bleicht aus.

Dass Bleichflecken auch „damals“ ein Problem waren, zeigt u.a. das MS. Cent. VI.89, das Nürnberger Kunstbuch aus dem 3. Drittel des 15.Jahrhunderts, in dem es zwei Rezepte zum Beheben dieser Flecken gibt: