Montag, 1. August 2016

Gwand im heiligen Land - Tiroler Mode in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts

Schön nächstes Wochenende ist wieder unsere jährliche Belebung des Museums Tiroler Bauernhöfe am 6. und 7. August, diesmal zusammen mit "Niedertor" aus Südtirol. Und ich darf wieder den Modevortrag halten. 
Weil aber ein Modevortrag über Wiener Mode in Tirol schnell einen bösen Blick, ein zitterndes Lippchen oder gar ein strenges Wort auszulösen vermag, war es für dieses Jahr sinnvoll sich mal auf die Tiroler Bildquellen meines Darstellungsraumes zu stürzen und den Tirolern somit eine Freude zu machen.

Diese Freude beginnt mit einer Enttäuschung .. denn so wirklich anders war die Tiroler Mode zwischen 1300 und 1350 halt nicht. Ähnlich der Wiener Mode (Böser Blick!) würd ich sagen, also von den großen norditalienischen Städten beeinflusst. Wo aber Wien (Zitterndes Lipperl!) nur durch Venedig beeinflusst wurde konnte in der Nähe des wichtigsten Alpenpasses des Mittelalters, dem Brenner, eigentlich ein noch stärkerer Einfluss der großen Metropolen wie Florenz, Genua, Mailand oder Padua erwartet werden.

Tatsächlich ist das auch so, denn während die von mir durchgesehenen und recht zahlreichen Fresken des damaligen Tirol im Malstil sehr stark den südwestdeutschen Fresken gleichen, hat die Mode doch ein paar von diesem Kulturraum abweichende Besonderheiten die ich hier gerne festhalten würde:

-Die Tiroler waren immer schon ein Muster an ...

In der Tat ist die Anzahl der geometrisch aber auch floral gemusterten Kleidungsstücke in den Fresken enorm hoch. Viel höher als in anderen Regionen der südlichen Reichhälfte. Und auch deutlich höher als in Wien! (Strenges Wort!)

Gemusterte Kleidung von 1280 in Gais (links), im 1.Viertel des 14.Jhdt. in Hocheppan (2.v.L.) sowie um 1340 in Brixen

Ob das nun auf eine höhere Verfügbarkeit der vorwiegend in Norditalien produzierten Musterdamaste und -brokate ankam oder einfach einer Vorliebe für mediterrane Lebensfreude zurückzuführen ist vermag ich nicht zu sagen.
 
Gut erkennbar ist auf den beiden rechten Bilder aus der Johannestaufkapelle in Brixen auch eine weitere interessante Modeerscheinung die ich im nächsten Punkt ansprechen möchte:

- Sie pfiffen auf die Sittsamkeit und machten sich an' Schlitz ins Kleid

Tatsächlich ist auf mehreren Fresken eine Suckneiform zu sehen die den den auch in Wien (Leises Rumoren!) oder Süddeutschland gebräuchlichen Überkleidern in den Ärmelformen sehr ähnelt, aber bei der Gestaltung des Rockteils schon sehr speziell ist!
Man hat hier scheinbar die eingesetzten Seitenkeile an ihrer Längsnaht offen gelassen, so dass das darunterliegende Kleidungsstück der Damen (der Rock oder das Kleid, NICHT das Unterkleid!) deutlich sichtbar wird. Einige der Bilder könnte man sogar so interpretieren, dass die Nähte auch längs der Vorderbahn offen gelassen wurden.

Geschlitzte Überröcke (frz. Surcot, mhd. Sucknei) auf den Fresken aus Aufenstein und Brixen

Ein, wie ich finde, sehr schönes kleines Detail das einer hochgotischen Damendarstellung us Tirol so ein klein wenig Pfiff verleiht.

- Da platz einem der Kragen!

Auch wenn Kragen für die Zeit um 1340 nicht ganz ungewöhnlich sind (vor allem in stark von der italienischen Mode beeinflussten Gebieten) ist es doch schön zu sehen dass die Tiroler Mode dieses Detail eben auch zu bieten hatte. Bisher konnte ich Krägen allerdings nur bei Männerkleidung finden. Ob das schon die evolutionäre Vorbereitung auf die Jahrhunderte später zum ewigen Quälgeist mutierte Krawatte war?

Pfarrkirche von Leibling, 1335

Mehr Unterschiede, oder gar spektakulärere, konnte ich leider nicht finden. Ich hoffe daher die Tiroler sind mir nicht all zu bös' wenn ich hier schon schließen muss.

1 Kommentar:

  1. Informativ. Ich glaube dass man solche Merkmäle unbedingt irgendwo sicher speicher kann. Das kann man mit elektronischer datenraum machen

    AntwortenLöschen