Montag, 18. April 2016

Das Salz in der Suppe

... war ja vorher irgendwo drin. Ja, nur wo wars drin? In einer Spanschachtel? Oder einem Leinensäckchen? Oder einer gedrechselten Büchse?

Ausgrabungen in den mittelalterlichen Brunnen von Budapest haben zu Mindestens für unsere Region und das 14.Jahrhundert eine kleine Antwort parat: Das Salzfaß!

Salzfass auf einem Kärntner Flügelaltar von 1460

Ein sehr ähnliches Salzfass wurde auch in Buda gefunden, gemeinsam mit andere Leckereien wie Löffeln und sogar einer Zinnkanne. Die Datierung ist nicht zu 100% aufs Jahr genau festlegbar da der Brunnen wohl zum Teil mit Abfallhaufen verfüllt worden war. Es ist jedoch die 2.Hälfte des 14.Jahrhunderts gesichert, die Keramik die gefunden wurde lässt zum Teil auch eine Datierung auf die Mitte des 14.Jahrhunderts zu.

Das Original sieht im zusammengesetzten Zustand dann so aus:
 

Die sehr interessante Publikation zum Brunnenfund: "Mittelalterliche Funde aus einem Brunnen von Buda" von Imre Holl enthält dann auch gleich eine Rekonstruktionszeichnung:


Auf dieser Basis entstand dann eine erste Rekonstruktion aus Fichtenholz, die das Griffloch entsprechend dem Fund ausgestaltet hatte. Und genau da zeigte sich das gleiche Problem wie beim Rückenbrett des Fundes: beim ersten handfesteren Hantieren mit dem Salzkasten brach der Griff ab.

Daher gestaltete ich das neue Rückenbrett etwas konservativer und habe auf die äußeren Abschrägungen verzichtet:


Verschlossen wird der kleine Kasten mit einem Klappdeckel, der wie auch im Original in drehbaren Zapfen in den Seitenwänden gelagert ist.


Zusammengehalten wird die ganze Konstruktion durch einfach Holznägel. Zusätzlich habe ich die Verbindungen aber noch verleimt.


Was dem guten Stück derzeit noch fehlt ist der seltsame, einfach geschlitzte Zapfen auf der Öffnungsseite der Deckelklappe. Der ging sich mit dem bestehenden Holzbrettchen nicht mehr aus und wird wohl demnächst mal nachgeholt.

Abstract for our english-speaking visitors:
A reconstruction of a wooden salt cellar found in a well in Budapest. The extant original is dated to the 14th century (middle to second half).
My reconstruction is based on the publication: "Mittelalterliche Funde aus einem Brunnen von Buda" by Imre Holland and is made of spruce wood. It is held together by wooden nails.

Kommentare:

  1. Moin!
    Bei der gezeigten Reko halte ich die Bruchgefahr des Griffendes für noch größer als beim Original.Dort ist der Griff zwar ausgebrochen; bei der Reko könnte er komplett wegbrechen!
    Der senkrechte Faserverlauf erscheint mir als die bessere Wahl.
    Aber schön, dass ihr dem Salzkästchen mal in´s Rampenlicht verhelft!
    Gryphan

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    1. Da hast du recht .. und mehrere Holzwerker haben das schon kritisiert.
      Leider hatte ich, nachdem ich das gebrochene Rückenbrett ersetzen musste keine Wahl mehr weil das Holzbrett nichts mehr hergab.

      Auch die Seitenteile haben die Maserung falsch rum. Aber wenn man aus einem grenzwertig großen Brett algebraisch ein Salzkästchen raustüftelt geht der Blick für solche Details verloren.

      Für die zukunft werd ich das aber berücksichtigen .. und größere Bretter kaufen ;-)

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  2. bist du dir sicher, dass der deckel so dicht genug ist? ich hätte den nämlich etwas über die seitenkannten überlappen lassen O.o

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    1. Nun, jein .. der Deckel ist sicher nicht dicht. Da fehlt auch beim Original die Raffinesse. Aber in der Nähe der Herdstelle, wenn nicht gar im Rauchzug aufgestellt sollte das kein Problem sein.

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